Aikido in Mainz

Aikido-Bekleidung



Keiko-Gi der Trainigsanzug

Im Aikido werden weiße Gi getragen. Der Anzug ist ein weißer Judo-Anzug mittlerer Stoffstärke. Die Jacken sind aus einem Stück gefertigt und deshalb reißfest. Karate-Anzüge sind zwar leichter, aber leider nicht reißfest. Die Trainingskleidung wird im Japanischen auch als Keiko-Gi ("Trainingsanzug") bezeichnet.
Der Gi ist ein traditionelles japanisches Kleidungsstück für den Oberkörper. Er ist in der Regel offen geschnitten und nach dem Anziehen je nach Beschaffenheit mit einem Obi (Gürtel) oder mit Hilfe von angenähten Schnüren zugebunden und befestigt. Dabei wird vor dem Binden das linke Revers über das rechte geschlagen. Dies gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Die einzige Ausnahme bei der anders verfahren wird ist bei der Aufbahrung von Toten bei der nach japanischer Tradition das rechte Revers über das Linke gelegt wird.
Wenn die Jacke zusammen mit der Hose ohne weitere farbige Wäschestücke gewaschen wird, bleiben diese auch ohne Beigabe chemischer Bleichmittel weiß. Damit der Stoff nach dem Trocknen nicht bretthart wird, ist es ausreichend, wenn man dem Wasser einen Spritzer Essig als Wasserenthärter beifügt.
Faltet man die Jacke wie übliche Wäschestücke, ergibt dies ein Paket, welches in Sporttaschen herkömmlicher Größe nur schwer untergebracht werden kann.
Ein handliches Paket kann man allerdings bauen, indem man die Jacke flach vor sich hinlegt, beide Ärmel quer über das Revers legt und anschließend die Jacke von unten her drei mal faltet.


Obi der Gürtel

Der Obi wird traditionellerweise nicht gewaschen, da sich durch das Üben “die Erfahrung im Gurt sammelt”


Gürtel binden

Hier die Kurzanleitung:
Hier die etwas ausführlicher mit Bildern.


Die Geschichte des Hakama

Der Hakama ist Teil der traditionellen japanischen Bekleidung. Glaubt man der Literatur, so ist der Hakama bereits 900 n.Chr. in den obersten Gesellschaftsschichten in Japan getragen worden. Von dort aus verbreitete er sich dann schnell in alle anderen sozialen Schichten. Als traditionelles Kleidungsstück übernahmen die Samurais den Hakama bereits im 12. Jahrhundert. Er ist in zwei Varianten anzutreffen. Mit geteilten Beinen wie ein Hosenrock oder ohne Teilung wie ein Rock. Er wird heute gleichermaßen von Frauen wie Männern getragen. Im japanischen Mittelalter und bis an den Anfang unseres Jahrhunderts wurden je nach Verwendungszweck unterschiedliche Arten von Hakamas getragen. Es gab Hakamas für die Fußsoldaten, für Reiter als Beinschutz oder für Tanzvorführungen. Seinen Ursprung hat der Hakama als Beinschutz berittener Samurai der Edo-Periode gegen Sträucher und Gestrüpp (ähnlich den ledernen »Chaps«) Er wurde aus einem dicken festen Stoff hergestellt. Bis zum zweiten Weltkrieg war es durchaus normal, in der Öffentlichkeit Männern in Hakama und Haori zu begegnen. Danach wählten immer mehr Japaner westliche Kleidung für den Alltag. Heutzutage wird der Hakama fast ausschließlich als formale Bekleidung bei Zeremonien und Schreinbesuchen, beim traditionellen japanischen Tanz und von Künstlern (überwiegend ohne Beinteilung) sowie in verschiedenen Kampfkünsten (z.B. Aikido, Iaido oder Kendo) (mit Beinteilung) getragen.


Sinn und Zweck des Hakama

Neben der Schutzwirkung für die Beine im Kampf, diente er auch im Schwertkampf dazu die genaue Stellung der Füße zu verdecken, denn man konnte aus der Position der Füße Rückschlüsse auf einen kommenden Angriff oder auf eine Verteidigungsstrategie ziehen. Der Hakama hat sieben Falten, welche die sieben Tugenden des Budo symbolisieren:

JIN -   Güte
GI -     Ehre, Gerechtigkeit
REI -   Höflichkeit, Etikette
CHI -   Weisheit, Intelligenz
SHIN - Aufrichtigkeit
CHU -  Loyalität
KOH – Pietät

Aus technischer Sicht soll es dem Aikidoka auch ein besseres Gefühl für seine Beinbewegungen und der Zentriertheit geben sowie fließende Bewegungen erleichtern.


Wer trägt den Hakama?

Im Aikido tragen, je nach Fachverband und Stilrichtung sowie Dojo (Übungsstätte), oft nur die DAN (Meister) diesen Hakama, manchmal auch ab einem bestimmten Ausbildungsstand (Graduierung). Das ist weder falsch noch richtig, denn der tatsächliche Wert einer Graduierung wird durch die Person vermittelt und drückt sich nicht durch äußere Zeichen aus. Die im heutigen Aikido weit verbreitete Sitte, dass nur Aikidoka ab dem 1. Dan einen Hakama tragen dürfen geht übrigens auf die Zeit des 2. Weltkrieges zurück. Damals waren die Stoffe viel zu teuer, und so baten die Schüler von O-Sensei diesen um die Erlaubnis, auch ohne Hakama trainieren zu dürfen.
Die Aikidoka, sowohl Frauen als auch Männer, sollten ab dem 2. Kyu einen Hakama. Dies hat folgende Gründe:
- Ein fleißiger Schüler benötigt ca. 2 - 3 Jahre bis zum Erreichen des 2. Kyu. In dieser Anfangszeit ist es für den Lehrer einfacher, falsche Beinstellungen und Schrittfolgen zu sehen und zu korrigieren wenn der Schüler keinen Hakama trägt. (Der Hakama hat ja den Sinn, Beinstellungen zu verbergen, also macht es auch Sinn diese bei den weniger Fortgeschrittenen zu sehen.)
- Leider haben oft gerade Anfänger nicht das nötige "Durchhaltevermögen" und es wäre sicherlich Schade sich einen teuren Hakama anzuschaffen der dann nicht mehr gebraucht wird.
- Ab dem 2. Kyu sollte ein Aikidoka auch die Fallschule beherrschen, es geht ja schon langsam auf die DAN-Prüfung zu. 
- Der Dojo-Leiter kann auch schon früher dass tragen eines Hakamas befürworten, wenn die Fallschule dementsprechend gut ausgeführt wird. Dies ist z.B. auf Lehrgängen ein Hinweis für andere Aikidoka wie der Partner die Fallübung beherrscht.
Jeder Aikidoka muss jedoch trotzdem immer auf Alter, physische Konstitution und individuelles Niveau seines Partners Rücksicht nehmen!


Pflege des Hakama

Es empfiehlt sich, den Hakama gleich nach dem Training zu falten, weil in zusammengelegtem Zustand die Falten erhalten bleiben.
Bei regelmäßiger Pflege mit einer Kleiderbürste und sorgfältigem Zusammenlegen braucht der Hakama nicht unbedingt gewaschen zu werden. Wer es trotzdem nicht unterlassen kann, dem sei dringend empfohlen, die Falten vor dem Waschen mit einem Faden zu kennzeichnen, den Hakama tropfnass aufzuhängen und die Falten mit einer Klammer auf der Leine zu bilden, damit sie im trockenen Zustand wieder zeichnen oder gleiche eine chemische Reinigung zu beauftragen.


Der Hakama und seine Bedeutung

Der folgende Text stammt im englischen Original von SAOTOME Mitsugi. Es handelt sich um Kapitel 19 seines Buches "The Principles of Aikido".

Als ich uchi deshi bei O Sensei war, war jedermann verpflichtet, beim Üben einen hakama zu tragen, beginnend beim ersten Mal, wo die Matte betreten wurde. Es gab keine Beschränkungen, welche Art von hakama getragen werden durfte, und daher war das dojo ein sehr bunter Ort.

Man konnte Hakamas aller Arten, Farben und Qualitäten sehen: Kendo-Hakamas, gestreifte Hakamas, die im japanischen Tanz verwendet wurden und auch teure Seidenhakamas, genannt sendai-hira. Ich glaube, dass manche der beginnenden Schüler vom Teufel geritten wurden, wenn sie sich von ihren Großvätern wertvolle Hakamas ausliehen, die nur dafür bestimmt waren, bei speziellen Anlässen und Feiern getragen zu werden und dann deren Knie beim Üben von suwari waza durchscheuerten.

Ich erinnere mich lebhaft an den Tag, als ich meinen hakama vergessen hatte. Ich war gerade dabei, die Matte zu betreten, wobei ich nur meinen dogi trug, als O Sensei mich stoppte. "Wo ist dein hakama?" wollte er streng von mir wissen. "Was veranlasst dich zu denken, du könntest den Unterricht deines Lehrers erhalten, wenn du nichts anderes trägst, als deine Unterwäsche? Hast Du keinen Anstand? Es mangelt dir offensichtlich an der Einstellung und der Etikette, die notwendig sind für jemanden, der dem Budo-Training folgt. Geh und setz' dich an die Seite und sieh zu!"

Das war nur eine von vielen Schelten, die ich von O Sensei erhalten sollte. Meine Ignoranz in dieser Angelegenheit jedoch bewog O Sensei dazu, seinen uchi deshi nach dem Unterricht über die Bedeutung des hakam einen Vortrag zu halten. Er erklärte uns, dass der hakama das traditionelle Kleidungsstück der kobudo-Schueler war und fragte uns, ob einer den Grund für die sieben Falten im hakama kenne.

"Sie symbolisieren die sieben Tugenden des budo", sagte O Sensei. "Diese sind JIN (Güte), GI (Ehre/Gerechtigkeit), REI (Höflichkeit/Etikette), CHI (Weisheit/Intelligenz), SHIN (Aufrichtigkeit), CHU (Loyalität) und KOH (Pietät). Wir finden diese Eigenschaften in den hervorragenden Samurai der Vergangenheit. Der hakama bringt uns dazu, über die Natur des wahren BUDO nachzusinnen. Ihn zu tragen symbolisiert die Traditionen, die von Generation zu Generation schließlich auf uns übertragen wurden. Aikido wurde geboren aus dem Geist des japanischen BUSHIDO, und in unserem täglichen Üben müssen wir uns bemühen, diese sieben traditionellen Tugenden zu vervollkommnen."

Derzeit folgen die meisten Aikido-Dojos nicht der strikten Politik von O Sensei hinsichtlich der Frage des Hakama-tragens. Seine Bedeutung degenerierte von einem Symbol traditioneller Tugend zu einem Statussymbol für yudansha (Danträger). Ich bin in vielen Dojos in vielen Ländern gewesen. An vielen Orten tragen nur die yudansha einen hakama, die yudansha haben ihre Bescheidenheit verloren. Sie denken an einen hakama als eine Auszeichnung, als ein sichtbares Zeichen ihrer Überlegenheit. Diese Art von Einstellung macht aus der Zeremonie des Verbeugens in Richtung O Sensei, mit der wir den Unterricht beginnen und beenden, eine Verspottung seines Gedenkens und seiner Kunst.

Noch schlechter ist es, dass in manchen Dojos von den Frauen mit Kyu-Graden (und nur von den Frauen) verlangt wird, einen hakama zu tragen, angeblich, um deren Anstand zu wahren. Für mich ist das beleidigend und diskriminierend gegenüber weiblichen Aikidokas. Es ist ebenso beleidigend für männliche Aikidokas, da es ihnen eine niedere Geisteshaltung unterstellt, die auf der Aikido-Matte keinen Platz hat.

Es macht mich traurig, den hakama solch kleinlichem Gebrauch ausgesetzt zu sehen. Manchen mag dies als ein ganz gewöhnliches Thema erscheinen, aber ich erinnere mich gut an die große Wichtigkeit, die O Sensei dem Tragen des Hakamas beimaß. Ich kann diesem Kleidungsstück nicht seine Bedeutung absprechen, und keiner, denke ich, kann den großen Wert der Tugenden bestreiten, die er symbolisiert.

In meinem Dojo und den angeschlossenen Schulen ermutige ich alle Schüler, unabhängig von ihrer Graduierung, Hakamas zu tragen. (Ich verlange es aber nicht, bevor sie ihren ersten Kyu-Grad erhalten haben, da Anfänger in den Vereinigten Staaten in der Regel keinen japanischen Großvater haben, dessen hakama sie borgen können.) Ich fühle, dass das Tragen eines hakama und das Wissen um seine Bedeutung den Schülern hilft, sich des Geistes von O Sensei bewusst zu sein und seine Idee am Leben zu erhalten.

Wenn wir es erlauben, die Wichtigkeit des Hakamas verschwinden zu lassen, werden wir vielleicht auch damit beginnen es zuzulassen, dass fundamentale Dinge aus dem Geist des Aikido in Vergessenheit geraten. Wenn wir andererseits aber treu gegenüber O Sensei's Wünschen an unsere Übungskleidung sind, ist unser Geist vielleicht näher an dem Traum, dem er sein Leben gewidmet hat.

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